Vereinsgeschichte

Von der Gründung bis 1953

 

 

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, noch bevor geordnete wirtschaftliche und politische Verhältnisse eingekehrt waren, trafen sich in Thierhaupten regelmäßig eine Gruppe lebenslustiger Burschen und Mädchen zu Spiel und Tanz.

Ludwig Litter sen., ein ehemaliges Mitglied des Trachtenvereins Grasheim, begann den jungen Leuten verschiedene Plattler zu zeigen. Schnell waren alle von dieser Art zu tanzen begeistert. Die Gruppe wurde zusehends stärker.

Leonhard Weixler, ein Bruder des Ehrenvorstandes Benno Weixler und des Ehrenvorplattlers Anton Weixler, führte im Frühjahr 1948 diese tanzinteressierte Gruppe zu einen Verein zusammen. Ein Jahr später trat völlig überraschend Leonhard Weixler in das Kapuzinerkloster Laufen ein. Als „Bruder Wando“ blieb er noch bis zu seinem Tode dem Verein verbunden.


1948 wählte der neu gegründete Verein den Namen „Heimat- und Trachtenverein D`Lechtaler“ und trat dem Donaugau mit Sitz in Ingolstadt bei. Die Patenschaft übernahm der Nachbarverein aus Pöttmes.
 

Durch einen Auszug des ersten Kassenbuches sind am 20.06.1948 folgende Gründungsmitglieder verzeichnet:

 

Pröll Nikolaus                 1. Vorstand

Schimmel Andreas         Kassier

Leonhard Weixler           Schriftführer

 

Litter Ludwig

Hammerl Sepp

Weixler Sepp

Birkner Franz

Meier Hans

Pröll Thomas

Weixler Anton

Weixler Franz

Weixler Benno

Bachmeier Josef

Herb Kreszenz

Fichtner Kreszenz

Klostermeier Rosa

Kugler Veronika

Groß Bepi

Pröll Anny

Hölzl Leni

Weixler Viktoria

Hugl Elisabeth

Weixler Adolf

Litter Ludwig jun.

 

Darüber hinaus sind folgende Personen noch im selben Jahr beigetreten:

 

Hugl Anton

Schimmel Anton

Schoske Adolf

Wolf Xaver

Küfner Josef sen.

Herzog Josef

Sperlich Hans

Hammerl Peter

Hörmann Franz

 


1949 zählte der Verein bereits 89 Mitglieder. Durch Tanzabende, gesellige Veranstaltungen, und besonders durch sein alljähriges Theaterspiel an Weihnachten fand der Verein schnell Anerkennung und Beliebtheit bei der Bevölkerung.

Aufgrund zahlreicher gegenseitiger Kontakte entwickelte sich zum Patenverein Pöttmes eine enge Freundschaft.

1952 war das Jahr der Trachtlerhochzeiten. Insgesamt elf Trachtler und vier Trachtlerinnen - davon vier Trachtenpaare - traten vor den Traualtar.

1953 wurde zur Plattlergruppe eine Volkstrachtengruppe aufgebaut. Diese Gruppierung trägt die Thierhauptener Tracht, wie sie um das Jahr 1880 im Ort vorzufinden war. Seit ca. 250 Jahren kleidete man sich in der Gegend zwischen Thierhaupten, Pöttmes und Aichach auf diese Art. Die wertvollen Materialien weisen auf einen stolzen, selbstbewussten Bauernstand hin.

 

 

 

Unter dem Vorstand Benno Weixler 1954-1986

 


1955 erhielt der Heimat- und Trachtenverein eine eigene Fahne. 33 Trachtenvereine füllten die barocke Klosterkirche. Allein unser Patenverein aus Pöttmes war mit 79 Mitgliedern in zwei Bussen an den Lech gereist. Beim Festzug konnten die Besucher auch eine Trachtengruppe aus dem tirolerischen Hopfgarten bewundern, wie sie mit ihren historischen Waffen aus den Bauernaufständen auftraten.

Selbst wenn das Fest am 21. und 22. Mai stattgefunden hatte, so war das Wetter mit eisiger Kälte und Graupelschauern weniger einladend. Trotz dieser widrigen Umstände sollte unter den vielen Trachtlern eine enge Verbundenheit spürbar werden. Das Festzelt war sehr gut besucht.

Zum Dank für diesen Besuch war der Thierhauptener Trachtenverein stets gut vertreten, wenn er von einem seiner Nachbarvereine zu Jubiläen eingeladen wurde. Das Empfinden einer engen, auf die selben Ziele ausgerichteten Gemeinschaft sollte damit auch in der Zukunft ihren Widerhall finden.

 

Bei der Generalversammlung am 17. November 1957 ist eine Vorstandsneuwahl mit folgendem Ergebnis überliefert:

 

1. Vorstand          Benno Weixler

2. Vorstand          Hans Uhl

1. Kassier             Andeas Guggenberger

2. Kassier             Franz Schnelzer

1. Vorplattler       Anton Weixler

2. Vorplattler       Franz Birkner

1. Schriftführer   Herbert Huber

2. Schriftführer   Viktoria Hugl

Revisor               Josef Küfner sen.


1958 wurde das 10-jährige Gründungsfest im engen Kreis mit dem Patenverein aus Pöttmes und dem Trachtenverein Metzenried gefeiert.

1962 wurde die Jugendgruppe gegründet. Der erste Jugendleiter Andreas Guggenberger kümmerte sich mit viel Engagement um die Kinder und Jugendlichen.

Sinn und Aufgabe eines Heimat- und Trachtenvereins sollten dem Nachwuchs vermittelt werden. Die Proben waren stets gut besucht von jungen Tänzerinnen und Tänzer. Die Begeisterung für Brauchtum und Volkstanz sollten damit auf die nächsten Generationen übertragen werden. Noch bis in die heutige Zeit wirkt für manchen Altgedienten die "Guggenbergerische Schule" nach.

1968 wurde anlässlich der Thierhauptener Festwoche das 20-jährige Gründungsfest verbunden mit dem 44. Donaugau-Trachtenfest ausgerichtet. 45 Vereine und sieben Musikkapellen besuchten und unterstützten diese Veranstaltung.

1971 übernahm der Heimat- und Trachtenverein zusammen mit dem Obst- und Gartenbauverein die Festwoche.

Mit dem anteiligen Erlös wurde die finanzielle Voraussetzung für die Heimat- und Trachtenstuben geschaffen. Durch die Initiative von Andreas Guggenberger konnte im Anwesen Fischer - Hausnamen „Bumper“ - eine Trachtenstube, ein Spinnstüberl und eine Gerätekammer eingerichtet werden.

1973 eröffnete der Verein in Verbindung mit dem 25-jährigen Gründungsjubiläum die Heimat- und Trachtenstuben. Das erste Museum im Markt Thierhaupten war damit entstanden.

Im gleichen Jahr durften die Thierhauptener Trachtler die Patenschaft für die zweite Vereinsfahne des Patenvereins aus Pöttmes übernehmen.

1978 stand im August das 30-jährige Gründungsfest an. Der große Festzug mit 40 Vereinen, acht Musikkapellen und sechs Festwägen lockte über 10000 Besucher an.

1983 hatte der Verein beim Jahrhundertfest der bayerischen Trachtler in München teilgenommen.

1985 zeigten sich die Thierhauptener in ihrer schönen Heimattracht in der Augsburger Altstadt anlässlich der 2000-Jahrfeier beim großen Schwabenfestzug.

1986 erfolgte ein Wechsel in der Vorstandschaft. Der langjähriger erste Vorstand Benno Weixler überließ sein Amt Josef Küfner jun. Seit 1954 hatte er die Geschicke des Vereins hervorragend gemeistert. Zur Anerkennung seiner Verdienste wurde Benno Weixler zum Ehrenvorstand ernannt.

 

 

 

Unter dem Vorstand Josef Küfner jun. 1986-1998

 


1988 konnte der Verein sein 40-jähriges Gründungsfest, verbunden mit dem 64. Donaugau-Trachtenfest feiern.

Über 60 Vereine aus Schwaben, Altbayern, der Hallertau, aus Franken und der Oberpfalz, darüber hinaus zehn Musikkapellen und zehn pferdebespannte Blumenwägen waren am Festumzug beteiligt.

1989 durfte der Verein zum ersten Mal Ausrichter des Donaugau-Wertungsplattelns sein. Nach drei Jahrzehnten nahmen erstmals wieder Trachtler und Trachtlerinnen aus Thierhaupten daran teil. Der Fleiß der sechs Dirndln und fünf Buam wurde mit elf Auszeichnungen in Silber belohnt.

Im Juni fuhren 33 Vereinsmitglieder nach Altötting zur 500-Jahr-Feier der Marienwallfahrt. Der festliche Gottesdienst unter freiem Himmel mit mehr als 14000 Trachtlern hinterließ bei allen Beteiligten einen unvergesslichen Eindruck.

1991 wurde das neue Vereinsheim im Kloster eingeweiht.

Vorausgegangen war eine langjährige Suche nach einem Zuhause. Mit viel Eigenleistung der Mitglieder hatte man eine Unterkunft für vielfältige Veranstaltungen erworden. Endlich besaß der Verein eine gemütliche Stube und einen größeren Versammlungsraum, sowie Ausstellungs- und Lagerräume, die seine Bedürfnisse zufrieden stellen konnten.

1993 begannen man mit der Renovierung des Heimat- und Trachtenmuseums. Das dreihundert Jahre alte ehemalige Bauernhaus wurde mit historisch wertvollen, handgefertigten Biberschwanz-Dachplatten, die vom örtlichen Kloster stammten, neu eingedeckt. Das Gemäuer musste verputzt und frisch angestrichen werden. Durch eine Putzanalyse wurde festgestellt, dass dieses Gebäude bereits 28 verschiedene Außenanstriche erhalten hatte.

Mehr als eintausend ehrenamtliche Arbeitsstunden mussten die Mitglieder für die Renovierung aufbringen.

Außerdem konnte der Verein vom Pächter das Austragshäusl mit in den Pachtvertrag aufnehmen.

1995 richtete der Donaugau zusammen mit dem Heimat- und Trachtenverein das Volksliedersingen und -musizieren im Thierhauptener Klostersaal aus. Unter der Leitung von Volksmusikpflegerin Gertrud Lindler zeigten 55 Musiker und Sänger ihr Können.

Im gleichen Jahr hielt der Donaugau sein Jugendzeltlager mit fast dreihundert Jugendlichen in Thierhaupten ab. Mit Zustimmung des örtlichen Sportvereins durften die Zelte auf dem Trainingsgelände aufstellt werden.

1996 war das Austragshäusl des Heimat- und Trachtenmuseums als „Schusterstube“ fertiggestellt.

Die Einweihung mit etwa achthundert Besuchern fand am Tag des Offenen Denkmals statt.

1998 konnte der Verein sein 50-jähriges Gründungsfest, verbunden mit dem 74. Donaugau-Trachtenfest feiern. Über sechzig Vereine sowie zahlreiche Musikkapellen und pferdebespannte Blumenwägen werteten das Fest besonders auf.

Im Herbst erfolgte ein Wechsel des ersten Vorstandes. Josef Küfner jun. übergab das Amt an Karl Haag.

 

 

 

Unter dem Vorstand Karl Haag 1998 bis 2017

 


1999 war der Verein zum zweiten Mal Ausrichter des Wertungsplattelns. Die Teilnehmer aus Thierhaupten konnten 1 x Gold und 5 x Silber erringen.

Im Jahr 2000 beteiligte sich der Verein am historischen Festumzug anlässlich der 1250-Jahrfeier der Marktgemeinde Thierhaupten. Zusammen mit dem Musikverein wurde mit Brautpaar, Kammerwagen und Brautkuh ein Hochzeitszug dargestellt.

Am 29. Juli 2001 besuchten dreißig Trachtler aus Thierhaupten das Oberlandler Gaufest in Schliersee.

Im Juli 2002 war der Verein zum zweiten Mal Ausrichter des Donaugau-Jugendzeltlagers. Es beteiligten sich ca. 230 Jugendliche mit ihren vierzig Betreuern.

 

In der fast 50-jährigen Geschichte des Maibaumaufstellens durch den Heimat- u. Trachtenverein wurde der Baum am Ostermontag, den 21. April 2003 zum ersten Mal gestohlen. Die dreisten Diebe kamen aus der südlichen Nachbargemeinde Todtenweis. Beide Vorstände des Trachtenvereins konnten sich rasch um eine Auslösung mit den Todtenweisern einigen. Hundert Liter Bier und zwanzig Brotzeiten mussten für den Maibaum eingetauscht werden. Noch am selben Tag kehrte das Diebesgut wohlbehalten zurück. 

 

Noch lag der Heimgekehrte keinen vollen Tag im Garten eines Thierhauptner Anwesens, als er ein zweites Mal gestohlen wurde. Diesmal waren es Jugendliche aus Bayerdilling, die mit einer Gruppe Maibaumdieben aus Thierhaupten in Streit geraten waren. Der Heimat- und Trachtenverein durfte dafür büßen. 200 Euro waren nach deulichen Aussprachen beider Seiten schließlich die friedenstiftende Einigung. Am 25. April kehrte der Baum nun endlich nach seinem zweiten - unfreiwilligen - Ausflug in seine Heimatgemeinde zurück.

 

Wenige Tage später ziehrte unser festlich geschückter Maibaum den Marktplatz. Bei der zünftigen Maibaumfeier am 30. April wurde mit den Todtenweiser Burschen ihre Forderung angemessen umgesetzt.


2007 waren die Trachtler erneut Veranstalter der Thierhauptener Festwoche. Verbunden mit dem Donaugau-Trachtenfest feierte der Verein sein 60-jähriges Bestehen. Die Thierhauptener Trachtler konnten eine sehr erfolgreiche Veranstaltung ausrichten.

Am 19. September 2010 beteiligten sich 28 Thierhauptener Trachtler am Oktoberfestumzug. Verstärkt wurden wir durch zwölf Trachtler aus Pöttmes und dem Musikverein Thierhaupten
. Mit hoher Marschgeschwindigkeit wurden die sieben Kilometer bis zur Theresienwiese in nur neunzig Minuten bewältigt. Eine gute Leistung aller Beteiligter, wenn man dabei berücksichtigt, dass der Zug durch die Münchner Innenstadt über unebenes Kopfsteinpflaster und Straßenbahnschienen führte. Dennoch winkte man fröhlich den vielen Besuchern an den Straßenrändern, auf Balkonen und Treppen zu. Im engbestuhlten Hofbräuzelt angekommen, ließ man sich das wohlverdiente halbe Hähndl und die Maß Bier schmecken. Gegen 16.30 Uhr ging es an die Heimreise, dafür musste man nochmal etwa drei Kilometer bis zum Busparkplatz laufen. Trotz dieser Widrigkeiten war für alle der Besuch in München ein besonderes Erlebnis gewesen.
 
Am 09. August 2015 fand in Thierhaupten auf dem Festplatz das Wertungsplatteln "Bayerischer Löwe" statt.

 

Am 10. Januar 2017 verstarb Gründungsmitglied und Ehren-Vorplattler Anton Weixler. Sein Bruder Benno Weixler - Gründungsmitglied und Ehrenvorstand - verstarb am 11. Juli.

 

Vom 10.08 bis 15.08. feierte unser Verein sein vorgezogenes 70. Gründungsjubiläum im Rahmen der Festwoche Thierhaupten. 

 

Am 13.10. legte Karl Haag sein Amt als erster Vorstand nieder. Franz Rechner sollte für zwei Jahre den Verein führen, um dann das Amt an seinen Stellvertreter Berthold Krumpholz übergeben zu können.
 

 

 

Nachwort

 


Das gesamte Jahr über ist der Heimat- und Trachtenverein Thierhaupten in vielfältiger Weise sehr aktiv.

Im Frühjahr muss stets der Maibaum hergerichtet und die Figuren gestrichen werden. Das Maibaumfest Ende April und die Bewirtung des Mühlenfestes am Pfingstmontag sind feste Inhalte des Vereinslebens geworden. Ferner verlangt das Herrichten und Schmücken des Festwagens zur Thierhauptener Festwoche viele fleißige Hände.

 

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Festbesuche, Umzüge und Auftritte, die hier nicht alle einzeln genannt werden können.

 

Man begeht gemeinsame Ausflüge, trifft sich zu Radtouren, Kartenspielen und geselligen Abenden im Vereinsheim. Zahlreiche Ausschusssitzungen, Versammlungen und Arbeitseinsätze, ferner Jugend-, Plattler- und Volkstanzproben sind feste Wegmarken des Jahres.

 

Im Advent findet schließlich alljährlich eine Nikolausfeier statt, wo sich Klein und Groß zu ein paar besinnlichen Stunden trifft. Den Abschluss im Vereinsjahr macht kurz vor Silvester eine nächtliche Winterwanderung nach Pichl oder Heimpersdorf.

 

Darüber hinaus ist unser Verein sehr aktiv geworden, die öffentlichen Volkstanzveranstaltungen im näheren und ferneren Umkreis zu besuchen. Auch hier haben sich gute Verbindungen zu anderen Vereinen und Volkstanzkreisen gebildet.

Ein Verein kann nur durch seine aktiven Mitglieder bestehen und für die Zukunft am Leben erhalten werden. Eine solche Gemeinschaft verlangt nicht nur Zeit und Einsatz, sondern schenkt auch langjährig gewachsene Freundschaften und eine gute Einbindung in die Dorfgemeinschaft.

 

Trotz mancher Schwierigkeiten neue Mitglieder und Nachwuchs zu finden, da die Palette der einzelnen Interessen einfach zu groß geworden ist, wünschen wir für die Zukunft unseres Vereins mit seiner Aufgabe Brauchtum, Tanz und die gewachsene historische Tracht zu erhalten, eine blühende, nie versiegende Zukunft.

 

 


 

Karl Haag 

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Heimat- und Trachtenverein Thierhaupten