Hoamatseitn

Am Klosterberg die Pfarrkirche Sankt Peter und Paul, die ehemalige Klosterkirche mit romanischem Turm um 1170 n. Chr. erbaut - das älterste Bauwerk im Ort

 

 

"Do san mia Dahoam.

 

Kimmts eini und schaugs sers o,

wo unsre Wurzln san.

Diaf raochas eini

in den oidn gsundn Bodn.

Neamand reißt uns aus

ohne Schodn.

Do bluats Herz.

 

Oa Schtoa aufn anda 

hom d´ Leit zamadrong

und drauf aufbaut.

D´ Oidn ham ogfanga

und mia macha weida.

Oa Schtoa aufn andern.

Schee auferanant,

dann bassts oisam.

Do is nix schiaf und verdraht.

 

Schee is worn,

wenn ma d´ Natur mitnimmt.

A Heisl aloa is no koa Hoamat,

do kearn Bleami dazua und Beim.

 Keart a Landschaft schee hoamlig hi

und vui Leit mit dene ma si verdrogt.

 

Do warn ma Kinna

und san nu erwachasne Leit.

 Unsa Hoamat.

Koa Lebm ohne a Hoamt.

Do kern ma dazua wia dia oidn Beim.

 

Kemts einer Leit und schaugs Buidln o

und hearts zua,

wos i drüber zum Song hob.

Griabig is bei uns dahoam."

 

 

Osttor des Klosters

 

 

Westseite des Hauptgebäudes im Innenhof des Klosters

 

 

An der Friedberger Ach unterhalb des Klosters

 

 

Auf dem Kreuzberg das Klosterkreuz - ein schöner Aussichtsplatz über den Ort und ins Lechtal

 

 

Reste der Klostermauer mit wilden Rosen, Efeu und Frauenmantel

 

 

Auch hier ein romantisches Stück Klostermauer  

 

 

Knochenmühle an der Ostseite des Klosters

 

 

Brunnenwasser

 

 

 
 

 

Dirhapn

 

1.

Scho am Oschtdoar

Des groaßn Kloaschtagviats

- im feschlichn Saum da greana Oacha -

Werd i von Deim Lächln begriaßt.

Do find si Dei Herz.

Di diafroachende Wurzl von Deim Se-j

Is do aufm sanftn Hügl vergrom

Um schaene Bliadn zu drong.

 

2.

Bebleamde Mauern

Schpinna s Garn

Oana lang nachhallndn Gschicht:

Wiedaborn in Herzog Tassilos Daogn.

D Mönch roachtn Di dia erscht Muich

Davor scho grau worn

In germanischa Zeit.

 

Vo ungarischn Hordn begriagt.

Vabrannt. Zerschtöat. Zerfoin.

Wieda ausglöscht.

 

Wiedaaufbaud.

Durch Regngschburger Mönch nei belebt.

 

Doch wieda Darmut

Da Bettlstob wü e-id woacha!

´s Gribbe da Bescht

Unds beaße Feia

Lassns Kind e-id gsund wean.

 

 

Zarde Bliadn

Im Geischt da Benediktina

Wean vo Grenz und Fluss

Wieda fortgschwemmt.

Erscht schbaat in da frian Neizeit

Pranga dia erschdn Frücht.

Doch oamoi mehra bleibt d´ Ernd aus.

 

Abermois Griag und Vawüschtung.

Erneits Beginna

In da Aschn, im Schtaub,

Im Abfoi da Griag

In da Wüschdn des Hungers,

Da Seichn

Un da beidschndn,

Sich unguat windndn Nadur.

 

Aus m gfürchde n Nordn kummend

- nach gwunana Tillyschloacht

Vor Roa am Lechs Mauern -

Schwabbd dia grausame Hord

Des schwedischn Kinis Gustaf Adolf

Übers Darf und Kloaschda

Und raubt und brennt,

Marderd und tödt

´n  Bauer und s Gsind.

Des gschundene Volk modat

Am Schwedngrund.

Oa Nocht haust des Ungeheier

Im Kloaschda in vergrabte Mauern.

Um glei danoch in da Reichschtod Augschburg

Als a gleißanda Siega e-izuziean.

 

D Sensn vom Doad:

Im greisndn Schwung nimmts ois mit.

D´Leit und s Vieh

Und ´s Werk harda Oarbat

Gduidig aufbrochana Schoin.

Beimfrücht und s Droad

Vaschlingt da quöinde Diab.

Des unschuldige Bluad von di Kinna,

Mannaleit, d Weiba und Mönch

Saufts ausdörde Land

Gierig wira Vadurschdnda.

Noch da Blünderung und an Raub

D´ Johr des Niedagangs

Des unzüglndn Verfois…

 

…und dahinda

Dschtändig schreckliche Drohung

Vom endgüligm Schterbm,

Vom Undagang

Da Verödung

Von Kloaschta und Darf.

 

Douch wieda a lichts Lebm

Im schpatbarockn Glanz.

Napoleons Griag.

´s Kloaschtas Auflösung und da Vakauf.

Und wieda Zeitn des Friedns,

Da Aussaat und da Ernd.

Und a stuiza Handwerka- und Bauernschtand.

 

Griag und d´ Not

In bluadenda brauna Zeit.

Flichtlingsschtröm

Findn in Deine gweidedn Arm

A griabigs Nescht

Mit ara Hoamat, Troscht und Brot.

 

Verderbm vom Guad

Und da Kauf von da Gmoa.

´s Aufbaun

Un des schtaat aolaffande Rod

 Vonara neia Beschtimmung

Des öffnet endlich d´schlafende Blia

Zura reifn Frucht.

 

3.

Im greana Schleia

Des fuin Baumlaubs

Und duftnda Heckn:

Die dronende Basilika.

Friaschta Backschtoa im Gai.

Romanisch schwar

Ragd da kandige Turm

Ins Weißblau des boarischn Himmi.

Und d´ Säuln vom Küchaschiff

Schtemma s Doch ind Heh,

Erhebm an Herrgotts sei Heisl

Übern aufschtrembn´n Fleckn.

In seim gwölbn Ranzn

Dupft des verspuide Rokoko

Überd Wänd und andn Oitar.

In Guid und Weiß

Zerfliaßt da hoahe Raum

Im gsättigdn Brunk

Vonara oidn Mod.

 

Da neigrige Sonnaschtroi

Durchbricht die Fenschda:

Jetzat gliad und glimmd

Da feschtliche Soi.

Erweckt die Buttn und Heilige

Und formt die Rokais

Fürs Aug da Gegenwart.

Hikauchta Flor

Fragila Schtuk.

Und dia Freschgn oida Moaschda.

Im Turm tönd

Feierlich volla Glocknklang

Vom Wind drong

Übers broade Land.

 

Ockafarbm die Fassadenmolerei

Unds scheegformde Mosaik

Da Butznfenschda.

Verdramde Winkl und Gassn.

Des schlummernde Ouwesn

Und da gschwungene Barockgieba

Da Kloaschdawirtschaft.

Da gpflascharde Markt,

Umgebm von gloana Ledn und Lokaln.

Efeiberankte Schtoana.

Wuide Roasn,

Frauamantl und Woidmoaschta

Am Rescht da Kloaschdamaua.

Und dschattige Kaschtanienbeim

Im Hof.

 

4.

Undn am Hong

Daucha Gfui

Am schtaad rauschndn Boch.

Erneit umweht mi Dei Atm.

Erfindt Melodien und Gsäng.

Gschmiededes Eisn

Hegt lauschnde Gräba

Im Schattn uroide,

Ehrfirchtig flüschdende Beim.

Klamms Schweign.

Verschtoln windet si des Nass

Am neia Schteg.

Bliad und verwökt

Wiara Bloam,

Schwöid ou zur Roasn

Am gloana Foi.

 

Vom

Johrzehntelanga Schlumma erweckt

Klappert ´s Herz der uroidn Müh.

´s schaufelnde Rod

An da wanderndn Och;

Emsig teilds d´ Flut

Schöpft und schpritzt und scheimt

Und ziacht glänznde Fädn hoach.

Und wieda gruam d´ Wossa

Gfanga im silbagreana Schpiagl.

Dann erischt da besonnte Dropfa,

Umschpuit bedechtig des Schilf,

Zeichnet kreisnde Würbl

Und dreibt gliand

Mit am letschtn Schimma

Davo.

 

Am gloana See

Nippt ´s Weidnlaub,

Bodt ´s Roa

Danznde Muckn

Im roadn Rescht

Des verwökn Sunnaliachts.

Im quellendn Brunnawossa

Und auf da freia Oxnweidn

Kehrt d Natur zruck.

 Efeiübergossane Heng

Und schlemmanda Bewux

Verbergn d Narbm

Da Vergangaheit.

 

Blaudernde Pabln

Wissn no von da Zeit

Vom oidn Darf.

 

Wind erklimma

Den sanftn Schwung da Hügl,

Schweifa über Woid und Heid.

No im Fruahdunscht

Reift da Blick

Über Kloaschda und Markt.

Weithi kuschln Moorwiesn und Föder,

Hain und Aun

Dicht beianand

Ins weide Doi vom Fluss

Wo Voda Leech

A längscht vergessnes Wehr

Bewocht.

 

5.

I bsuach auf da Anhöh

An wüdn Bürnbam,

Mei Verdrauter da jungen Johr.

Aus längscht entschlafna Zeit

Isa oidernd zruckbliebm.

Do war i oft aufiglettert

Und hob des weide Doi überblickt.

Dia roschdign Negl in seim Huiz

San di letschtn Zeign

Meiner Kinnahänd.

Dran hänga Erinnerunga,

Für die meischdn unsichtbar,

Für mi aba in prall gfülltn

Gedanka.

 

Dann da sedsam verschwiengne Hain

Nah da Schui;

Überoi haftet da Duft

Meina abbliadn Kindheit.

Und dennoch lebt do ois

In da hoamelign Erinnerung

Weida furt,

Ois wär d´ Zeit

Nia erloschn.

 

Do is a Blotz,

Zwischn Heckn und Wiesn

Der heil bliebm is.

Freiheit in unbeschwerta Natur.

D´ Oderung verwachsena Pfoad,

Dia i vor vui Johr durchschtreift hob.

Verflochtn. Verschlunga. Verdramt.

Ois blieb komisch verschlossn.

Unheimli und verdraht

Is da Ort bis heit

Sich sölber überlossn.

Do in da Oaöd

Wo da Sagn noch die German´n

An grausigen Opferkuit

Mit aufschpießtn Tierkepf

Pflegten.

 

 

Und ganz in da Näh, erhobm,

Des Kreiz

Welchs dem aufragndn Hügl

Sein Nama gab.

Von Kinnahand

Niederglegte Wüdbleamal:

Schei betracht

Bliebs ma damois

Fremd.

 

Danehm

Da Torso vonara uroidn Oacha.

Verschtümmlte Äscht.

Klaffnde Wundn

Auf zerissna Rindn.

Da Schtamm

Vo unzählign Blitzn gschboidn,

Wo a wusends Heer

Oiwei hungriger Insektn nagt.

Dia Zeigin verwahter Johrhunderte.

Nur no oa Müh

Erwart dia Greisin:

An schtumm erlösnden Doad.

 

6.

Dirhaptn,

Niamois werd i dia Drauung vergessn,

Di uns zwoa

Für des abgmessene Moß

Meina Lebenszeit vereint.

Oi dia verflochtnen Johr,

De-is innig umwicklte Band da Verdrautheit,

Di wir uns gschenkt.

Liab und Leid,

Freid und Schmerz,

Und des unbeschreibliche Gfui

Noch ara erzwungna Abwesenheit

Wieda zu Dir zruckzukema,

In Deine göffnetn Arm empfanga zwern.

Dann schpür i dei schlogns Herz

Und darf worme Hoamat füin.

 

Heit bleibt mi nur no

Des Buach da Erinnerung.

Nur no wenger Seidn

San drin leer bliebm:

Mit Dir wui i se fuihn.

 

Du wersch d´ Zeitn weidergeh

- wann i lang verwaht bi -

Mit neie Leit

Und frisch gpflanzte Ideen.

Und wieda wescht andre

Wandera des Lebns empfanga,

Aufnema, umarma, freindli oulächn

Um Dei Scheaheit betrochtn zlassn

Und um Dei diafres G´heimnis

Dein ewigs jungs Se-j

Zu empfindn.

 

Und i schprech zu Di

Auf da Anhöh

Dem griabigstn Blotz

Dei pochnd greans Herz,

Wo ma Di

Von oi Seitn betrachtn ko.

Do,

Am leidndn Körper di Bitt:

In Dei Arm gbettet,

G´leit mi amoi

Ind ewig Hoamat,

Zum Schöpfer derra Wöd,

Wohi Du mi als Oudenkn

Foin mogst.

 

Do im ewign Hoam

Erwartd mi Dei Schpiaglbuid.


 

 

>

Die Ostseite des Hauptgebäudes im Innenhof des Klosters

 

 

Messmerkapelle

 

 

Neues Fischerheim am Klosterweiher

Östliche Ortseingang

"Für die Gäscht,

dia dia boarisch Schbroch

e-it verscheh,

oder s Lesn d schwaar kummt

hob dia Vers

no aufs Hochdeitsche überdrong.

 

Fui Freid beim Erlebm 

wias Herz bluat,

wenn ma d´ Hoamat liabt."

 

"Am kleinen See" - der Klosterweiher unterhalb des Klosters

 

 

Marktplatz

 

 

Die alte Mühle an der Friedberger Ach

 

 

Das Mühlrad - in den neuziger Jahren des 20. Jahrhunderts wieder zum Leben erweckt

 

 

"...am kleinen Fall" - lebendig plätscherndes Wasser der Friedberger Ach Nahe der Mühle

 

 

"...lauschende Gräber" - Grabanlage der ehemaligen Klostergutsbesitzer unterhalb des Klosters

 

 

Ein Blick auf den Klosterweiher in der Abendsonne

 

 

 

 

 

Thierhaupten

 

1.

Bereits am Osttor

Des großen Klostergevierts

- im festlichen Saum der grünen Eichen -

Werde ich von Deinem Lächeln begrüßt.

Hier befindet sich Dein Herz.

Die tiefreichende Wurzel Deines Seins

Ist dort auf dem sanften Hügel vergraben,

Um schöne Blüten zu tragen.

 

2.

Umflorte Mauern

Spinnen das Garn

Einer lange nachhallenden Geschichte:

Wiedergeboren in Herzog Tassilos Tagen.

Mönche reichten Dir die erste Milch.

Davor schon ergraut

In germanischer Zeit.

 

Von ungarischen Horden bekriegt.

Verbrannt. Zerstört. Zerfallen.

Erneut erloschen.

 

Wiederaufgebaut.

Durch Regensburger Mönche neu belebt.

 

Doch wieder Armut.

Der Bettelstab will nicht weichen!

Das Gerippe der Pest

Und böses Feuer

Lassen das Kind nicht gesunden.

 

Zarte Blüten

Im Geist der Benediktiner

Werden von Grenze und Fluss

Wieder fortgeschwemmt.

Erst spät in der frühen Neuzeit

Prangen die ersten Früchte.

Doch einmal mehr bleibt die Ernte aus.

 

Abermals Krieg und Verwüstung.

Erneutes Beginnen

In der Asche, im Staub,

Im Abfall der Kriege,

In der Wüste des Hungers,

Der Seuchen

Und der peitschenden,

Sich launisch windenden Natur.

 

Aus dem gefürchteten Norden kommend

- nach gewonnener Tillyschlacht

Vor Rain am Lechs Mauern -

Schwappt die grausame Horde

Des schwedischen Königs Gustav Adolf

Über Dorf und Kloster,

Und raubt und brennt,

Martert und tötet

Bauer und Gesinde.

Das geschundene Volk modert

Am Schwedengrund.

Eine Nacht verbringt das Ungeheuer

In des Klosters faulenden Mauern,

Um kurz darauf in der Reichsstadt Augsburg

 Als gleißender Sieger einzuziehen.

 

Die Sense des Todes:

Im kreisenden Schwung nimmt sie alles mit.

Mensch und Vieh

Und das Werk der in harter Arbeit

Geduldig aufgebrochenen Scholle.

Baumfrucht und Getreide

Verschlingt der quälende Dieb.

Das unschuldige Blut der Kinder,

Männer, Frauen und Mönche

Trinkt das ausgedörrte Land

Gierig wie ein Verdurstender.

Nach Plünderung und Raub

Jahre des Niedergangs,

Des ungezügelten Verfalls…

 

…und dahinter

Stets die schreckliche Drohung

Des endgültigen Sterbens,

Des Untergangs,

Der Verödung

Von Kloster und Dorf.

 

Doch wieder lichtes Leben

Im spätbarocken Glanz.

Napoleons Kriege.

Des Klosters Auflösung und Verkauf.

Und wieder Zeiten des Friedens,

Der Aussaat und Ernte.

Und ein stolzer Handwerker- und Bauernstand.

 

Krieg und Not

In blutender brauner Zeit.

Flüchtlingsströme

Finden in Deinen geweiteten Armen

Ein ruhiges Nest

Mit Heimat, Trost und Brot.

 

Niedergang des Gutes,

Und Aufkauf durch die Gemeinde.

Renovierung

Und das langsam anlaufende Rad

 Einer neuen Bestimmung

Öffnet endlich die schlafende Blüte

  Zur reifenden Frucht.

 

3.

Im grünen Schleier

Des satten Baumlaubs

Und duftender Hecken:

Die thronende Basilika.

Frühester Backstein der Region.

Romanisch schwer

Ragt der kantige Turm

In das Weiß-blau des bayrischen Himmels.

Und die Säulen des Kirchenschiffs

Stemmen das Dach in die Höhe,

Erheben Gottes Haus

Über den aufstrebenden Flecken.

In seinem gewölbten Bauch

 Tupft das verspielte Rokoko

Über Wände und Altar.

In Gold und Weiß

Zerfließt der hohe Raum

Im gesättigten Prunk

Einer alten Mode.

 

Der neugierige Sonnenstrahl

Durchbricht die Fenster:

Jetzt glüht und glimmt

Der festliche Saal.

Erweckt die Putten und Heiligen

Und formt die Rocailles

Für das Auge der Gegenwart.

Hingehauchter Flor.

Fragiler Stuck.

Und die Fresken alter Meister.

 Im Turm tönt

Feierlich voller Glockenklang

Vom Wind getragen

Über das weitende Land.

 

Ockerfarben die Fassadenmalerei,

Und das wohlgeformte Mosaik

Der Butzenfenster.

Verträumte Winkel und Gassen.

Das schlummernde Gehöft,

Und die geschwungenen Barockgiebel

Der Klosterwirtschaft.

Der gepflasterte Markt,

Umsäumt von kleinen Läden und Lokalen.

Efeuberankte Steine.

Wilde Rosen,

Frauenmantel und Waldmeister

An den Resten der Klostermauer.

Und beschattende Kastanien

Im Hof.

 

4.

Unten am Hang

Tauchen die Gefühle

Am sachte rauschenden Bach.

Erneut umweht mich Dein Atem.

Erfindet Melodien und Gesänge.

Geschmiedetes Eisen

Hegt lauschende Gräber

Im Schatten uralter,

Ehrfürchtig flüsternder Bäume.

Klammes Schweigen.

Verstohlen windet sich das Nass

Am neuen Steg.

Blüht und verwelkt

Einer Blume gleich,

Schwillt zur Rose

Am kleinen Fall.

 

Vom

Jahrzehntelangen Schlummer erweckt

Klappert das Herz der uralten Mühle.

Das schaufelnde Rad

An der wandernden Ach;

Emsig teilt es die Flut,

Schöpft und spritzt und schäumt

Und zieht glänzende Fäden empor.

Und wieder ruhen die Wasser

Gefangen im silbergrünen Spiegel.

Dann erlischt der besonnte Tropfen,

Umspielt bedächtig das Schilf,

Zeichnet kreisende Wirbel

Und treibt glühend

Mit einem letzten Schimmer

Davon.

 

Am kleinen See

Nippt das Weidenlaub,

Badet das Rohr.

Tanzende Mücken

In den rötlichen Resten

Des welkenden Sonnenlichts.

Im quellenden Brunnenwasser

 Und auf der befreiten Ochsenweide

Kehrt die Natur zurück.

 Efeuübergossene Hänge

Und schlemmender Bewuchs

Verbergen die Narben

Der Vergangenheit.

 

Plaudernde Pappeln

Wissen noch von der Zeit

Des alten Dorfes.

 

Winde erklimmen

Den sanften Schwung der Hügel,

Schweifen über Wald und Heide.

Noch im Frühdunst

Reift der Blick

Über Kloster und Markt.

Weithin kuscheln Moorwiesen und Felder,

Haine und Auen

Dicht aneinander

In das weite Tal des Flusses,

Wo Vater Lech

Ein längst vergessenes Wehr

Bewacht.

 

5.

Ich besuche auf der Anhöhe

Den wilden Birnbaum,

Meinem Vertrauten der jungen Jahre.

Aus längst entschlafener Zeit

Ist er alternd zurückgeblieben.

Hier war ich oft hochgeklettert

Und habe das weite Tal überblickt.

Die rostigen Nägel in seinem Holz

Sind die letzten Zeugen

Meiner Kinderhände.

Daran hängen Erinnerungen,

Für die meisten unsichtbar,

Für mich aber in prall gefüllten

Gedanken.

 

Dann der seltsam verschwiegene Hain

Nahe der Schule;

Überall haftet der Duft

Meiner abgeblühten Kindheit.

Und dennoch lebt hier alles

In der heimeligen Erinnerung

Weiter fort,

Als wäre die Zeit

Niemals erloschen.

 

Hier ist ein Platz,

Zwischen den Hecken und Wiesen,

Der heil geblieben ist.

Freiheit in unbeschwerter Natur.

Die Aderung verwachsener Pfade,

Welche ich vor vielen Jahren durchstreifte.

Verflochten. Verschlungen. Verträumt.

Alles bleibt seltsam verschlossen.

Unheimlich und sonderbar

Blieb dieser Ort bis heute

Sich selbst überlassen.

Dort in der Einsamkeit

Wo der Sage nach die Germanen

Einen grausamen Opferkult

Mit aufgespießten Tierhäuptern

Pflegten.

 

Und ganz in der Nähe, erhöht,

Das Kreuz,

Welches dem aufragenden Hügel

Den Namen gab.

Von Kinderhand

Niedergelegte Wildblumen:

Scheu betrachtet

Blieb es mir damals

Fremd.

 

Daneben

Der Torso einer uralten Eiche.

Verstümmelte Äste.

Klaffende Wunden

Auf zerrissener Borke.

Der Stamm,

Von unzähligen Blitzen gespalten,

Wo ein wuselndes Heer

Stets hungriger Insekten nagt.

Die Zeugin verwehter Jahrhunderte.

Nur noch ein Mühen

Erwartet die Greisin:

Den stumm erlösenden Tod.

 

6.

Thierhaupten,

Niemals werde ich die Trauung vergessen,

Die uns beide

Für das abgemessene Maß

Meiner Lebenszeit vereinte.

All die verflochtenen Jahre,

Dieses innig umwickelte Band der Vertrautheit,

Die wir uns geschenkt.

Liebe und Leid,

Freude und Schmerz,

Und das unbeschreibliche Gefühl

Nach einer erzwungenen Abwesenheit

Wieder zu Dir zurückzukehren,

In Deinen geöffneten Armen empfangen zu werden.

Dann spüre ich Dein schlagendes Herz

Und darf warme Heimat fühlen.

 

Heute bleibt mir nur noch

Das Buch der Erinnerung.

Lediglich wenige Seiten

Sind darin leer geblieben:

Mit Dir will ich sie füllen.

 

Du wirst die Zeiten weitergehen

- wenn ich längst verweht -

Mit neuen Menschen

Und frisch gepflanzten Ideen.

Und wieder wirst Du andere

Wanderer des Lebens empfangen,

Aufnehmen, umarmen, freundlich anlächeln

Um Deine Schönheit betrachten zu lassen

Und um das tiefere Geheimnis

Deines ewig jugendlichen Seins

Zu empfinden.

 

Und ich spreche zu Dir

Auf der Anhöhe,

Dem schönsten Platz,

Dein pochendes grünes Herz,

Wo man Dich

Von allen Seiten betrachten kann.

Dort,

Am leidenden Corpus die Bitte:

In Deinen Armen gebettet,

Geleite Du mich dereinst

Zur ewigen Heimat,

Zum Schöpfer der Welt,

Wohin Du mir nur als Andenken

Zu folgen vermagst.

 

Dort im ewigen Zuhause

Erwartet mich Dein Spiegelbild.

 

 

(A. J. Wiedemann)

 

 

Die Blitzeiche auf dem Kreuzberg 

 

 

Ein Blick vom Kreuzberg auf das Kloster und dahinter das weite Lechtal

 

 

"...die Aderung der Wege" - Teil des Mühlenwegs

 

 

Auf dem Klosterberg: das Missionskreuz und das westliche Tor des Klosters

 

 

Ochsenweide am Brunnenwasser

 

 

Bitz

 

 

Pfarrhof

Erstes Schulhaus im Ort

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Heimat- und Trachtenverein Thierhaupten